plan b/ZDF berichtete am 05.12.2020 über Nachhaltigkeit im Kinderzimmer

7. Dezember 2020, 0:00

Weihnachten steht vor der Tür. Das Jahresende ist für die Spielzeugindustrie die wichtigste Zeit, hier werden 40 bis 50 Prozent des Gesamt-Jahresumsatzes erzielt. Und natürlich ist Spielware in dieser Zeit auch für die Medien ein zugkräftiges Thema. Die ZDF-Sendung plan b widmete sich am 05.12.2020 dem Thema Nachhaltigkeit im Kinderzimmer.

Ein Großteil des Spielzeugs, so der Tenor der plan b-Berichterstattung, sei als Wegwerfware konzipiert: Spielzeugautos, die sich nicht reparieren lassen. Puppen, für die es keine Anziehsachen nachzukaufen gibt. Das Thema Nachhaltigkeit spiele bei Spielzeug kaum eine Rolle, ebenso wie die Diversität. Noch immer seien Mädchensachen rosa, und die meisten Figuren spiegelten die Lebenswirklichkeit einer modernen Gesellschaft nicht wider. 

Vorgestellt wird Claire Tournefier aus Paris, sie gehört zu den Pionieren einer Bewegung, die den Umgang mit Spielzeug erneuern will. Ihr Verein Rejoué – übersetzt heißt das, „wieder damit spielen“ -, sammelt in großem Maße altes oder ausrangiertes Spielzeug. In eigenen Werkstätten wird es aufbereitet. Die erneuerten Autos, Puppen und Teddys sorgen dann in Kindergärten oder bei sozial benachteiligten Familien für strahlende Kinderaugen. 

Auch Hans-Joachim Simon dient als Positivbeispiel: Er ist eigentlich Informatiker. Aber von seinen Kindern hörte der Familienvater aus Bonn nach besonders wilden Spiel-Sessions immer: „Papa, mach das mal ganz!“ Deshalb gründete er einen Verein, der Spielzeuge repariert – auch wenn es rein wirtschaftlich oft kaum Sinn ergibt. In seinem Keller in Bonn repariert er seit 2012 nicht nur die Spielzeuge seiner Kinder, sondern arbeitet auch Aufträge ab, die über seine Website hereinkommen. Mittlerweile ist er in ganz Deutschland vernetzt. 

plan b stellt die These in den Fokus, nachhaltiges Spielzeug sei vor allem eine Frage der Herstellung. Als Positivbeispiel wird Gollnest & Kiesel (goki) genannt. Das Unternehmen aus der Nähe von Hamburg versucht seit Gründung, den Nachhaltigkeitsgedanken in allen Aspekten der Produktion einfließen zu lassen. Das beginnt beim Rohmaterial: goki pflanzt regelmäßig Wälder nach. Das Holz wird in klimaneutralen Werken verarbeitet, die Farben sind umweltschonend, und die Konstruktion ist auf Langlebigkeit ausgelegt. 

Eines der wichtigsten Umweltthemen sei auch der Versand von Spielzeugen, fast jedes Ladengeschäft und jeder große Hersteller nutzt den Bestell-Boom, der durch Corona ausgelöst ist. Die Folge: massenhafter Pappabfall. Barbara Höller aus Wien hatte eine Idee, wie die jährlich zwei Millionen Tonnen Altpapier allein in Österreich anders genutzt werden können. Mit von ihr und ihren Kindern entworfenen speziellen „Sticker-Sets“ können Pappkartons in Spielzeug verwandelt werden: in Rennautos, Häuser, Puppentheater und vieles mehr. So kann ein Abfallprodukt Freude schenken und Kindern nebenbei Nachhaltigkeit vermitteln. 

Auf einen Lerneffekt setzt auch die Idee des Berliner Start-ups GoVolunteer: ohne Druck und im Spiel etwas über die Wandelbarkeit der Gesellschaft zu erfahren. Gründer Malte Bedürftig hatte überlegt, warum die Lebenswirklichkeit seiner Kindergartenkinder nicht im Spielzeugladen wiederzufinden ist. Seine einfache Lösung: ein Buntstift-Hautmal-Set mit allen möglichen Gesichtsfarben von weiß bis dunkel, um die Unterschiedlichkeit der Hautfarbe und Herkunft zu verdeutlichen. Wer Diversität lernen soll, braucht dazu auch die entsprechenden Voraussetzungen.