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GfK-Studie zu Rahmenbedingungen für europäischen Einzelhandel

13. Juni 2017, 10:41

Höchste Zuwachsraten für Zentral- und Osteuropa

Vielerorts haben sich sinkende Arbeitslosenzahlen und ein leichter Anstieg der Lohn­niveaus positiv auf die Einkommenssituation der Europäer ausgewirkt. Durchschnittlich standen den EU-28-Bürgern für Konsumzwecke 16.153 Euro pro Kopf und damit nominal 0,7 Prozent mehr Kaufkraft als im Vorjahr zur Verfügung. Dabei gilt es zu beachten, dass Wechselkurseffekte, vor allem durch die Abwertung des britischen Pfundes, die Steigerungsrate verzerren. Die höchsten Zuwachsraten erzielten die zentral- und osteuropäischen Staaten.

Robustes Wachstum für die EU-28 Länder

Insgesamt prognosti­ziert GfK ein solides Umsatzwachstum von plus 1,4 Prozent (nominal) für die Länder der EU-28 im Jahr 2017. Ohne Großbritannien wächst der Einzelhandelsumsatz sogar um plus 2,2 Prozent. Die Wachstumsregionen aus dem Vorjahr zählen auch 2017 zu den Gewinnern. So erzielen Rumänien (plus 9,8 Prozent) und Ungarn (plus 5,7 Prozent) besonders dynamische Wachstumsraten. Auch für Kroatien und Bulgarien sowie die baltischen Staaten rechnet GfK mit Umsatzzuwächsen zwischen vier Prozent und 5,5 Prozent. Die Auf­wertung des polnischen Zloty sowie Lohn-und Preissteigerungen lassen in Polen ein Um­satzplus von 5,3 Prozent erwarten. Und nach zwei Jahren rückläufiger Umsätze können die stationären Einzelhändler in Griechenland leicht aufatmen. Für 2017 wird ein leichtes Plus von ein Prozent erwartet.

Einzelhandelsanteil am privaten Konsum

Der langfristige Trend, dass der Anteil des stationären Handels an den Konsumausgaben der Europäer sinkt, hat sich im Jahr 2016 fortgesetzt. Die Quote lag laut revidierten Zahlen im Jahr 2016 in der EU-28 bei 31,3 Prozent – nach 31,4 Prozent im Vorjahr. Das Plus im Portemonnaie geben die Europäer zunehmend im Gesundheitssektor oder in der Gastronomie, aber auch beim Online-Shopping oder für Wohnen aus.

Im Jahr 2016 lag die Teuerungsrate in den EU-28 Ländern mit plus 0,3 Prozent nur knapp oberhalb der Nullinfla­tion von 2015. Elf europäische Staaten wiesen im Jahr 2016 sogar eine Deflation auf. Dies betraf vor allem ost-und südosteuropäische Staaten. Für 2017 prognostiziert die Europäische Kom­mission eine Inflationsrate von 1,8 Prozent in den EU-28 Ländern. Innerhalb der Europäischen Union müssen sich neben den estnischen Verbrauchern (2017: plus 2,8 Prozent) vor allem die Briten darauf einstellen, für das gleiche Geld zukünftig weniger Waren in den Einkaufskorb legen zu können (2017: plus 2,5 Prozent).

Heterogene Entwicklung der Verkaufsflächen

Per Saldo wuchs die Verkaufsfläche in den EU-28 Ländern in 2016 um plus 0,7 Prozent. Da die Einwohnerzahl im gleichen Zeitraum ebenfalls anstieg, erzielte die Verkaufsflächenausstattung pro Kopf mit 1,17 Quadratmetern ein Plus von 0,4 Prozent. Dabei verlief die Entwicklung europaweit sehr unterschiedlich. Österreich und die Niederlande konnten im Jahr 2016 sowohl absolut als auch bei der Pro-Kopf-Aus­stattung ihr Vorjahresniveau nicht halten – bilden aber weiterhin gemeinsam mit Belgien die drei EU-Länder mit der höchsten Pro-Kopf-Ausstat­tung. In Zentral-und Osteuropa entwickelte sich die Verkaufsfläche positiv – analog zur guten Verbraucherstimmung und den größtenteils über­durchschnittlichen Wachstumsraten im Einzelhan­del. Auch in Spanien und Italien trugen Erweiterungen und Neueröffnungen großflächiger Läden zu einem Anstieg der Verkaufsflächenausstattung bei.

Flächenproduktivität: Positiver Trend setzt sich fort

Sowohl die Konsolidierung der Ladennetze als auch das gebremste Wachstum im E-Commerce wirkten sich positiv auf die Flächenleistung des gesamten stationären Handels aus. Lässt man bei der Betrachtung der europäischen Performancewerte Großbritannien aufgrund der Wechselkursthematik außen vor, ergibt sich eine Steigerung der Flächenleistung um plus 0,9 Prozent in der EU-27. Diese Steigerung steht in vielen Fällen, insbesondere im Lebensmitteleinzelhandel, auch mit einem Trading-Up in Verbindung. Wie in Vorjahren wurden die höchsten Flächenproduktivitäten in Luxemburg und der Schweiz sowie Norwegen und Schweden erzielt. Demgegenüber erreichte der Ladeneinzelhandel in der Ukraine – dem Schlusslicht innerhalb der betrachteten europäischen Länder – nur knapp 27 Prozent der Flächenproduktivität der Luxemburger.

Studienleiterin und GfK-Einzelhandelsexpertin Antje Hille fasst zusammen: „Europa navigiert durch unruhige Gewässer. Insbesondere der Zusammenhalt in der Europä­ischen Union wurde 2016 gleich mehrfach auf den Prüfstand gestellt. Zu den politischen Dauerbrennern wie Flüchtlings- und Terrorthematik gesellten sich mit dem Brexit-Votum, einer Zunahme nationalistischer Tendenzen in fast allen Mitgliedsstaaten und politischen Spannungen mit der Türkei neue Herausforderungen. Europas Wirtschaft zeigte sich hingegen von ihrer robusten Seite und blickt auf ein zufriedenstellen­des Jahr zurück. Erneut stellt der private Konsum europaweit eine wichtige Stütze der wirtschaft­lichen Entwicklung dar. Davon konnte auch der Einzelhandel profitieren, wenngleich die Wachstumsraten innerhalb der europäischen Staaten sehr unterschiedlich ausfallen.“

Zur Studie

Für insgesamt 32 europäische Länder wurden folgende GfK-Kennziffern ausgewertet: GfK Kaufkraft, Einzelhandelsumsatz sowie Einzelhandelsanteil an den Gesamtausgaben der Bevölkerung. Darüber hinaus prognostiziert GfK den Einzelhandelsumsatz im Jahr 2017. Ebenfalls betrachtet wird die Entwicklung der Verbraucherpreise. Die Studie untersucht außerdem die Verkaufsflächenausstattung und Flächenproduktivitäten der europäischen Länder und befasst sich in einem vierseitigen Länderspezial mit Frankreich als Einzelhandelsmarkt.

Die Berechnungen von GfK zu Umsätzen und Kaufkraft erfolgten alle in Euro, ausgehend vom durchschnittlichen Wechselkurs der Landeswährung im Jahr 2016 (laut Europäischer Kommission). Der Redaktionsschluss für die Informations- und Datenaufbereitung war Februar 2017.

Die Studie ist als 24-seitige PDF-Datei auf Deutsch gratis erhältlich unter dem angegebenen Internetlink.

www.gfk-geomarketing.de/handel-europa